Rettet das Odonien!
Vor gut zwei Jahren war ich noch einer dem die Kölner Ringe und die normalen Diskotheken in Köln gefielen. Ich wäre nicht mal auf die Idee gekommen das es viel coolere Örtlichkeiten zum feiern geben könnte. Die Menschen und die Musik waren zwar nicht immer das Nonplusultra aber man konnte sich damit arrangieren. Die Preise waren Clubtypisch und gut angeschickert ließ sich auch schlechte Musik, beklemmende Hitze und Rauch gut aushalten.
Dann kam die Wende. (Das hört sich jetzt irgendwie nach Mauerfall und ende des Kalten Kriegs an)
Mir wurde von einem Ort erzählt der Open Air und auf einem Schrottplatz ist. Naja Open Air sind Schrottplätze meistens. Der hier hatte aber auch große überdachte Räume in denen die feinste Alternative Musik läuft. Von Elektro, über Goa bis hin zu Indierock und Pop war alles vertreten.
Zuerst ging ich mit ziemlich großen vorbehalten an die Sache ran und dachte mir wie ranzig könne es denn bitte auf einem Schrottplatz sein?! Als meine Freunde dahin wollten, und mir keine Alternative bis auf die Alternative übrig blieb, ging ich mit.
Ich werde die Eindrücke wohl hoffentlich nie vergessen. Auf dem Weg zum Odonien was in der Hornstraße dem Rotlichtmilieu von Köln liegt, war alles dementsprechend ausgeleuchtet. Dazu kamen die Brücken der Deutschen Bahn die immer nur Fragmente der Szenerie preisgaben und somit ein noch erhabeneres Bild schafften.
Überwältigt von dem Anblick, begaben wir uns in Richtung der Warteschlange. Ein Monströses Tor und ein Eingang wie ich ihn selten gesehen hab erwarteten uns freudig. Die Fläche war bestimmt 10-15 Meter breit. (Das wird im Verlauf des Textes wichtig)
Nach 10 Minuten in der Schlange, haben wir bereits neue Freunde kennengelernt. Es war eine so lockere Stimmung vorhanden, ganz anders zu dem verspannten und nervösen warten vor den Clubs auf den Ringen in denen es darum geht so Seriös wie möglich zu erscheinen um den Abend nicht bereits vor der Tür beenden zu können. Türsteher sagt: „Du kommst hier nisch rein!“
Meine Laune wurde richtig enthusiastisch als wir endlich das Kassehäuschen, ein ausgedienter Kleinbus, passierten und in eine andere Welt eintauchten. Überall waren rostige Metallskulpturen, die ihre eigene Schönheit preisgaben. Alte Bagger, Autos, Fahrräder, Paletten und keine Ahnung was noch alles standen überall auf dem Gelände und ließen mein Herz so hoch schlagen, dass ich fast einen Herzinfarkt bekam.
Der Bass dröhnte bereits aus einem der drei Floors. Wir näherten ihm uns und er wurde durch unsere Ankunft noch lauter. Die Party ging ab, und wir lernten gerade draußen in einem der vielen freien Flächen neue Leute kennen. Soviel zu meinem ersten Erlebnis in der Kultstätte Odonien.
Vor gut eineinhalb Jahren allerdings, verpasste die Stadt Köln dem geschäftigen treiben einen Dämpfer. Das Odonien bekam eine Teilschließung. Die Gründe hierfür waren an den Haaren herbei gezogen. Da das Odonien wie gesagt im Rotlichtbezirk ist und in der Nähe eine Großschlachterei ihr Gelände hat, konnte man dem Odonienbetreiber keine Ruhestörung vorwerfen. Es gab schlichtweg keine Anwohner in der Nähe die sich über den süßen Basssound hätten beschweren können.
Also wurde die wohl abstruseste Erklärung die ich je gehört habe, gesucht und gefunden.
Wie bereits eben erwähnt verlaufen über dem Odonien mehrere Bahntrassen und Brücken. Somit war das Naheliegendste die Gefahr das ein Zug entgleist, von der Brücke ins Odonien stürzt und dabei neben den teilweise hunderten Menschen im Zug, die nicht erwähnt wurden, auch die Feierwütigen mit in den Tod reißt. Um dem entgegenzuwirken bräuchte das Odonien einen zweiten Fluchtweg. Ja, bleiben wir mal dabei, dass ein Zug entgleist und nach unten genau auf uns drauf stürzt. Wie hilfreich ist mir dann ein zweiter Fluchtweg?! Entweder das Ding trifft mich weil ich es nicht gesehen habe, da ich am feiern war, oder aber es trifft mich obwohl ich es gesehen hab aber einfach nicht schnell genug dem Zug entkommen kann, egal ob es einen, zwei oder zigtausende Fluchtwege gibt. So ein Zug ist verdammt schnell unten.
Demnach müssten alle Flächen unter Brücken leer stehen, da Züge die entgleisen und von Brücken stürzen eine nicht zu unterschätzende Gefahr sind. Darüber hinaus ist der Eingang und gleichzeitiger Fluchtweg so groß das Massen von Menschen in kürzester Zeit vom Gelände flüchten könnten. Auch Rettungswagen sollten mit der schieren Größe des Geländes zurechtkommen können. Immerhin stehen auf dem Gelände auch Bagger und Kräne die für ihre Dimensionen bekannt sind. Sie mussten ja auch irgendwie da hinein gelangen.
Trotz der recht merkwürdigen Argumentation der Stadt Köln, sprach für den Betreiber des Odoniens nichts gegen einen zweiten Fluchtweg. Vor allem da es bedeutet hätte das Odonien wieder in seiner ganzen Pracht eröffnen zu können.
Am Betreiber liegt es also nicht, dass das Odonien bis heute keinen zweiten Fluchtweg besitzt. Vielmehr gibt es einen Nachbarn über dessen Grundstück der Notausgang verlaufen würde und dem das ganze nicht in den Kram passt. Es ist ja immerhin sein Grundstück.
Mit mehreren Demonstrationen am Rudolfplatz und direkt vor dem Odonien in der Hornstraße wurde mit allerlei Mitteln die sich im legalen Rahmen befinden, versucht die Aufmerksamkeit zu erhaschen und eine Komplettöffnung des Odoniens wieder zu erlangen.
Es lag wohl kaum an der Wortgewandtheit der Sprecher fürs Odonien. Es war beschlossene Sache, dass das Odonien ein Sicherheitsproblem darstellt und deshalb musste es zum Teil geschlossen werden.
Mir stellt sich aber im Bezug auf die Sicherheit in Diskotheken aber noch eine andere Frage. Wie kann es sein, dass Clubs wie das Triple A am Rudolfplatz, was vor einem halben Jahr brannte, ebenfalls nur einen Fluchtweg besitzt, nämlich den gleichzeitigen Eingang der über eine recht schmale Treppe nach oben ins Freie führt, da die Disco im Keller liegt, noch geöffnet sein kann?!
Oder nehmen wir die Live Music Hall in Ehrenfeld. Dort ist vor einiger Zeit das Dach zum Teil eingebrochen und es besitzt ebenfalls nur einen wirklichen Fluchtweg nach draußen.
Man könnte die Reihe hier beliebig weiterführen, aber das hilft unserem geliebten Odonien wohl auch nichts.
Wieso die Stadt Köln so engstirnig sein muss und Kulturelle Diamanten immer wieder mit irgendwelchen Schwachsinnigen Argumenten den Garaus macht (Papierfabrik, Kolbhalle etc.), ist mir und sehr vielen Liebhabern der Alternativen Clubszene in Köln ein Rätsel.
Wie oft hört man, dass die Leute extra aus Berlin, Hamburg, München und sonstigen Städten nach Köln reisen um hier eine Wunderbare Nacht in einem der vielen tollen Clubs zu verbringen. (Sehr oft)
Hoffen wir alle das dieser Text und auch alle sonstigen Bemühungen dazu beitragen unser Odonien in seiner ganzen Pracht zurückzubekommen!
Danke und gute Nacht.
tagliatelle al funghi am 15. Juli 13
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