Mittwoch, 26. Juni 2013
Was ändern oder nicht?!
„Igitt! Bah, das esse ich doch nicht. Wie kann man denn so etwas lecker finden?!“
Das sind Aussagen die man von Menschen hört die „Exotische“ Fleischgerichte, wie Rinderhoden (was übrigens eine vergessene deutsche Spezialität ist), Affenhirn oder Insekten vorgesetzt bekommen. Nur um einige Beispiele zu nennen.

Dabei kann es nach deren Aussagen, am Geschmack, Konsistenz, Aussehen, Geruch und/oder einfach am Gedanken daran was man zu sich nimmt, liegen.
Dennoch schwören sehr viele auf Fleisch. Es wird regelrecht zelebriert. In manchen Restaurants, kriegt man 3 Kg Steaks vorgesetzt die man in einer Stunde verputzen kann und nichts zahlen braucht. Die Perversionen mancher gehen noch weiter, dass man den Anschein bekommt, derjenige würde am liebsten selbst töten und jagen. Aber nicht nur Tiere. Vermutlich kann so manch einer in seiner „Fleischeslust“, versteckte Aggressionen ausleben.
Mc Donalds und Burger King übertreffen sich Quartalsmäßig mit immer größeren Burgern zu Preisen die keinem Tier gerecht wird.

Wie oft aber kriegen Menschen wirklich Gräuel bei Gemüse. Klar mag man nicht jedes Gemüse. Rosenkohl und Aubergine finde ich z.B. nicht so prickelnd und kenne auch viele denen es genauso geht. Aber das liegt einfach am Geschmack und nicht das man vom Aussehen oder von der Erkenntnis ein Ekelgefühl entwickelt. Manch einer mag auch keine Schokolade oder ähnliches und wird keinen Schauder am Rücken spüren wenn er Schokolade sieht.

Aber es geht noch weiter, viele eingeschworene Karnivore können mit Vegetarieren und Veganern nicht nur, nicht Umgehen, sondern müssen sich weshalb auch immer hervortun und den pflanzlichen Lebensstil schlecht machen. Mit Hanebüchenen Argumenten wie, Mangelernährung, die letztendlich zum Muskelabbau und Haarausfall führt wenn man auf Fleisch verzichtet, werden „Veggies“ am häufigsten mit konfrontiert. Wer Vegetarier und Veganer für zu schwach hält, kann sich ja mit Patrik Baboumian messen, der seit 2006 Vegan lebt und anstelle einer Muskelschwächung einen Muskelaufbau verbuchen konnte.
Es gibt auch pflanzliches Eiweiß. Was im übrigen besser vom Körper aufgenommen und verarbeitet wird als tierisches.

Ein schönes Zitat von http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001378, zeigt den unfassbaren Schwachsinn den manche Zoophagen wirklich glauben und ihren Lebensstil damit erklären.: „Dabei ignorieren die fleischlosen Vordenker völlig, dass der, der keine Tiere essen will, auch nicht will, dass sie leben. Die rund 26 Milliarden Exemplare an Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen und Geflügel auf der Welt gibt es ja nur, weil der Mensch ihnen Ställe baut und sie füttert. Wie sähe denn in einem vegetaristischen Zeitalter Urlaub auf dem Bauernhof aus? Ohne Kälbchen, ohne Ferkel, ohne Kühe auf der Weide, ohne Gänse, Enten und Hühner. Dafür mit Folienfeldern und Monokulturen aus Salat, Soja und Getreide?“

Niemals würde ein Vegetarier sagen: „Da ich nur Pflanzen esse, braucht es keine anderen Tiere zu geben. Sie sind ja nutzlos für mich und deshalb sollte man den frei gewordenen Platz auf Weiden dafür nutzen um mehr Monokulturen anzupflanzen.“ Das entspricht nämlich voll und ganz der Mentalität vieler Fleisch(fr)esser. Es wird nicht nur im obigen Zitat deutlich, sondern auch die Klassifizierung von Nutztieren zeigt dies klar. Tiere werden nicht mehr als Lebewesen, sondern als Ressource gesehen. Wer mir jetzt damit ankommt, Pflanzen haben auch Empfindungen, sollte sich besser nochmal informieren.

Vegetarieren und Veganern geht es vor allem darum, sich nicht am Leid der Tiere zu bereichern, vor allem da es mittlerweile immer bessere Alternativen gibt um sich zu ernähren, zu Kleiden etc. Schweine, Kühe und so fort sind für Vegetarier und Veganer gleichwertig mit Hunden und Katzen die viele zu Hause halten und als „Freunde“ bezeichnen. Keiner möchte seinen Hund auf dem Teller sehen und verspeisen. (Es wird wahrscheinlich kranke geben die das wollen, ich spreche hier aber von der Mehrheit.) Egal welche Art von Nutztier, sie alle haben Empfindungen und können schmerzen sehr wohl spüren.
Mittlerweile ist die Wissenschaft sogar zur Erkenntnis gelangt, was viele Kinder seit Jahren (wenn auch durch Intuition) vermutet haben, dass Fische schmerzen spüren.
Darin äußert sich die Überheblichkeit und Ignoranz des Menschen, diesen Tieren das einfach abzusprechen und somit die barbarischen Methoden die der Fischfang beinhaltet zu rechtfertigen. Das ist lediglich die Spitze des Eisbergs.

Der Geruch mancher Fleischprodukte ist für viele Konsumenten so unangenehm, das als Beispiel wenige Tage alte Ferkel ohne Betäubung kastriert werden, da die Kosten für ein Narkotikum zu hoch seien und sich für den Bauern nicht rentieren, in dem Bewusstsein den Tieren unsägliches Leid hinzuzufügen. Vgl.: http://www.welt.de/wissenschaft/article117413914/Hoden-werden-ohne-Betaeubung-herausgeschnitten.html

Wie krank ist das bitte?! Was oft als Höchststrafe von der allgemeinen Bevölkerung für Kindervergewaltiger verlangt wird. Darüber kann man sich auch streiten, was aber hier nicht Sinn der Sache ist, ist für unschuldige Ferkel normale Handhabe, und weshalb das ganze?! Um den Kunden ein „schmackhaftes Stück Fleisch, das keinerlei Ähnlichkeit mit dem Ausgangsprodukt hat, vorzusetzen. Eine ebenfalls gute Strategie der Fleischindustrie um erst erwähnte Punkte von Geruch, Aussehen usw. zu überdecken, und damit Kunden leichter zu gewinnen und zu festigen, ist die äußerliche Veränderung, die natürlich auch praktikable Gründe hat, aber gerade Kindern in Form von Chicken Nuggets, Fischstäbchen, Würstchen und vielen anderen Erzeugnissen, eine Fleischsensibilisierung ermöglicht. Das Fehlen von Gliedmaßen, inneren Organen und Augen, lässt das Stück tote Tier auf dem Teller nicht so eklig erscheinen und sogar appetitlich wirken. Gespickt mit allerlei Aromen, Gewürzen, Panaden, Marinaden und es was nicht gibt, schmeckt es vielen sogar sehr gut.

Dasselbe kann man übrigens auch mit Soja und Tofu machen und viele schmecken den Unterschied zu Fleisch nicht. Oben erwähnte Produkte sind jedoch meist teurer. Sprich unattraktiv für den „Geiz ist Geil-deutschen“, der beim Discounter Stolz darauf ist wie viel Geld er beim Essen gespart hat und damit sich endlich ein neues Auto, Smartphone, was auch immer leisten kann.

Die Perversionen des Menschen kennen also keine Grenzen.
Nicht nur die industrielle Zucht und Verarbeitung der Tiere, die dazu folgt das es 26 Milliarden „Nutztiere“ gibt, die unter Umständen leben und gequält werden um billiges Fleisch für die Massen zu herzustellen, die Einbindung unserer kleinsten, sowie die Rechtfertigung des ganzen, zeugt von wenig bis gar keiner Empathiefähigkeit.

Jegliche Gegenargumente eines karnivoren Lebensstils, die durch zahlreiche Wissenschaftliche Studien fundiert sind, werden durch unsinnige Halbwahrheiten ins lächerliche gezogen.
Oben wurde die These der verminderten Eiweißzunahme bereits widerlegt.
Das Argument der Evolution wird dann häufig vorgebracht. „Da der Mensch ein Allesfresser ist, gehört und gehörte Fleisch schon immer zu den wichtigsten Nahrungsmitteln. Ohne Fleischverzehr hätte das Gehirn niemals ausreichend Nährstoffe erhalten um sich weiterzuentwickeln und Höchstleistungen zu betreiben.“
Nun gut, dem stimme ich sogar teilweise zu, da es in der Eiszeit ohne Landwirtschaft einfacher und Energieeffizienter war, Tiere zu erlegen als Pflanzen zu sammeln.
Jedoch kann dieses Argument für unsere heutige Zeit nicht mehr gelten. Nicht nur das hier fast niemand selbst sein Tier in einer Hetzjagd mühsam erlegt und deshalb dringendst Kalorien braucht, daneben stehen uns der Landwirtschaft sei Dank, Massen von pflanzlichen Gütern zur Verfügung.

Darüber hinaus stellt sich die Frage ob man etwas für richtig und gut erklären kann nur weil es schon immer so war, auch wenn es gar nicht immer so war.
Als die Menschen sesshaft wurden und Ackerbau betreiben konnten, änderte sich die Ernährung vieler zu einem Fleischlosen leben. Es gab damals nur bei besonderen Anlässen Fleisch, wenn überhaupt. Das zog sich lange über Jahrtausende so hin, bis die Industrielle Massentierhaltung ihren Anfang nahm und Fleisch für jedermann erschwinglich wurde.

Kommen wir aber zurück zur Frage ob etwas gut ist, nur weil es das scheinbar schon immer gab.
Leute die so argumentieren, müssten dann auch Morde, Kriege, Folter, Vergewaltigungen, Genozide und Raubüberfälle gut heißen, da es diese ja schon immer gab. Wenn dem so ist, viel Spaß beim gegenseitigen abschlachten.

Dem Großteil sollte es aber nicht so ergehen und diese sollten auf die Missstände angestoßen werden.

Es scheint vielen Menschen schon Unbehagen zu bereiten, Fleisch zu essen. Dennoch ist es in unserer jetzigen Gesellschaft bequemer keinen Omnivoren Lebensstil zu haben, sondern wie der Rest den Fleischkult zu erhalten, zu leben und sich damit zu identifizieren. Vielmals wird die Frage woher das Essen stammt, gar nicht gefragt. Bei manchen aus Angst vor der Wahrheit, bei anderen aus Ignoranz oder fehlendem Interesse.
Manche wissen allerdings von den Verhältnissen unter denen Masttiere leiden müssen und würden gerne etwas ändern aber der Geschmack eines Burgers oder das Grillen mit Freunden im Sommer halten sie davon ab, selbst auf Fleisch zu verzichten.

Ein reines Gewissen versuchen viele dann durch die vermeintlichen „Bio-Produkte“ zu bekommen oder durch den Besuch beim Metzger nebenan oder gleich beim Bauernhof um die Ecke.
Genau, wie viele Städter haben denn einen Bauernhof um die Ecke? Vermutlich nicht ganz so viele. Würden Tiere unter passablen Bedigungen leben, die Fläche reichte nicht aus um alle genügend, gar im Überfluss zu versorgen.

Das alles hört sich leider sehr missionarisch an, was ich wenn möglich versuche zu vermeiden, da ich es auf beiden Seiten schlimm finde einem anderen die Meinung vorzugeben.

Mir ist es trotzdem wichtig einen kleinen Beitrag zur Aufklärung über unsere Ernährung zu liefern. Die Entscheidung liegt natürlich bei jedem selbst.

Bewaffnet euch mit Wissen!



Samstag, 22. Juni 2013
Seen, Kraniche und mehr
Da war er wieder. Ein langweiliger Sonntagabend. Trotz schönstem Wetter gammelte ich mit geschlossenen Gardinen, damit die Bilder auf meinem TV noch zu erkennen sind, auf dem Bett rum.
Ich hatte zwar irgendwie Lust was zu unternehmen, war aber doch zu Faul die Initiative zu ergreifen.
Glücklicherweise erging es mir nicht alleine so und ich wurde angerufen.
Einfach eine entspannte Tour in die Stadt mit dem Fahrrad zu machen war der Plan. Ich willigte ein und nach kurzer Zeit trafen wir uns.
Aus der Stadt wurde kurzerhand Köln Widdersdorf und wir waren auf der Suche nach einem See den man von der Autobahn aus sehen kann. Klingt komisch, ist es auch!
Auf vage Beschreibungen und einer kurzen Analyse der Lage bei „google maps“, fanden wir nach einmaligem Verfahren wirklich den Weg zum See.
Er sollte so Türkis sein wie das Mittelmeer.
Ich hielt das natürlich für völligen Blödsinn. Ein See inmitten Deutschlands, der so klar ist das er Türkis erscheint. Aber natürlich! Ich hab auch schon Pferde in der Apotheke kotzen sehen.

Dornenpflanzen so weit das Auge reichte. Herrlich wenn man mit nichts als Shorts und Flip Flops bekleidet ist. Man kann sich jedes Peeling danach sparen.

Als wir den See von oben durch das Dickicht erahnen konnten, wurden wir erstmal auf eine Ebene geführt, die mit ausrangierten Baggern die Fläche säumten.

Ein zumindest für uns atemberaubender schöner Anblick. Sofort kamen uns Ideen, was man aus diesem Platz alles gestalten könnte. Letztendlich sollte es eine Partylocation werden die Tags- und manchmal auch Nachts- über, als kleiner Bike- und Skatepark genutzt werden kann.

Leider gibt es einen entscheidenden Haken an der Sache, uns fehlt nicht nur das Geld um daraus eine Riesige Outdoor-Partylocation/Bike und Skatepark zu machen, die bei schlechtem Wetter natürlich teilweise überdacht sein muss, zudem fehlt uns das flüssige um das Gelände zu kaufen oder zu mieten.
Schade wie schnell Träume zerplatzen können. Auch wenn dieser Traum noch lange nicht zu Ende geträumt ist. Wer weiß, was in Zukunft noch passiert. Ich könnte ja einen Koffer voll Geld finden oder unverhofft im Lotto gewinnen. Was wirklich unverhofft wäre, da ich gar kein Lotto spiele.

Wir entschieden uns endlich zu dem zu gehen weshalb wir die Dschungelsafari überhaupt unternommen hatten.

Ein Weg der leicht abschüssig war und von Bäumen umringt wie bei einer Allee, führte uns zum Seeufer. Sofort machte sich erstaunen in uns breit. Dieser See war wirklich Türkis und noch dazu so klar das man bis auf eine Entfernung von etwa 30 Metern immer noch alles unter dem See erkennen konnte. Dazu schien es hier obwohl ein ansässiger Angelverein sein Unwesen treibt, unberührt zu sein. Die Fauna gedieh prächtig und ich wurde von einer Libelle verfolgt. Ich finde das der Name „Libelle“ diesem Tier einfach nicht gerecht wird und die Englische Bezeichnung „Dragonfly“, wie die Faust aufs Auge passt. Libellen sind weithin für ihre erstaunlichen Flugeigenschaften bekannt. Sie beherrschen die Lüfte mit ihren Flugmanövern und noch dazu werden sie unverschämt schnell. Bis zu 60 km/h, peitschen sie durch die Luft ohne Rücksicht auf Verluste.

Zurück zum See! Ein paar Erkundungen und Fotos später, wurde ein Entschluss gefasst. Wir müssen in die nahe gelegene Kiesgrube und dort zum See aufbrechen. Gesagt getan. Wir marschierten durch Berge von Kies, und unterschiedlichsten Sandsorten. Wer hätte es gedacht wir verliefen uns und konnten zwar den See von sehr weit oben betrachten, aber das brachte uns nichts, da wir ja ans Seeufer wollten.
Auf dem Weg dahin sammelten wir noch eine Freundin ein, die mittlerweile von unserer Wanderung gehört hat und das miterleben wollte.
Nach einem weiteren Marsch durch die unendlichen Wüsten der Kiesgrube, konnten wir an der gesuchten Oase rast machen. Schön war der zweite See nicht und er schien Giftig zu sein.
Es blubberte und roch leicht nach verwesung.

Um dem ganzen auf die Spur zu kommen, wollten wir auf die Plattform mitten im See.
Ein sehr altes Förderband führte dorthin. Es war übersät von Spinnweben und Vogelkot. Zu allem Überfluss mussten die Holzplanken auf denen wir lang gingen so morsch sein, das manche unter unserem Gewicht durchbrachen. (Deshalb liebe Kinder, macht das nicht nach!!! Lasst lieber mich Idioten so was machen und wenn ich es überlebe kann ich euch ja davon berichten!)
Die Basis in der Mitte des Sees war erreicht.
Mein Kumpel schaffte es irgendwie ein Kranichnest zu entdecken und gleichzeitig „Mama Kranich“ in Aufruhr zu versetzen. Ich hörte nur ein schreien, irgendwelche Laute von dem Vogel und sah einen Riesigen Flügel der sehr Panisch auf dem Boden aufschlug. Mir blieb das Herz stehen. Ich kenne sehr viele Geschichten von Leuten die von Schwänen oder Enten attackiert wurden. Es ist auf jeden Fall nicht Lustig von einer Aggressiven Vogelmutter ins Visier genommen zu werden.
So langsam wie wir den ganzen Tag herumgekrochen sind, so schnell machten wir uns vom Staub, in Panik auf diesem Wackeligen, morschen Holzsteg von der K.A.F. (Kranich Airforce) attackiert zu werden.
Weshalb auch immer, es kam nie zu einem Angriff. Evtl. wurde der Vogel abgeschossen oder hatte Startschwierigkeiten und stürzte in den See. Oder aber, was ich für am plausibelsten halte, war, dass der Kranich genau wusste: „Gegen die da unten habe ich keine Chance also verdufte ich lieber!“

Der restliche Abend verlief sehr ruhig, zu ruhig…immerhin bot er mir genug Stoff für eine neue Geschichte in meinem neu gegründeten Blog!



Donnerstag, 20. Juni 2013
Krieg auf Deutschlands Straßen
Aus gegebenem Anlass und weil es mir schon seit Jahren auf die Pulsadern drückt, folgt eine Meinung zur gegenwärtigen Verkehrspolitik.

Seit ein paar Wochen, grassieren in den Medien vornehmend Themen, die eine Herabsenkung der Alkoholpromillegrenze für Fahrradfahrer beinhaltet, sowie eine Forderung zur Fahrradhelmpflicht. Dem vorangesetzt werden die verstärkt zunehmenden Unfälle die für Radfahrer tödlich oder schwer verletzt verlaufen.

Auch mir ist ein Anstieg von Fahrradunfällen in Köln aufgefallen. Ich pendele nicht nur jeden Tag zur Arbeit und wieder zurück, sondern fahre auch gerne in meiner Freizeit durch Köln und Umgebung. Auf den zwei wichtigen Verkehrsadern für Fahrradfahrer auf der Linksrheinischen Seite von Köln, bin ich also täglich unterwegs, da sie meinen Arbeitsweg bilden.

Gerade an der Kreuzung von der Aachener Straße, Ecke Universitätsstraße, finden neben schweren Autounfällen auch schwere Verkehrsunfälle mit Radfahrern statt.

Doch mir stellt sich die große Frage ob ein Helm oder eine Alkoholpromillegrenze dem Einhalt gebieten kann.
Vielleicht denkt der ein oder andere Leser nun: „Was schreibt denn der da für einen „Stuss“?!“, aber wie viele Pendler haben bereits morgens früh auf dem Weg zur Arbeit 1,6 Promille und mehr Intus?!
Zum anderen sollte ich von einem Lastwagen oder einem Auto erwischt werden und durch die Luft gewirbelt werden, inwiefern schützt mich da noch ein Helm?!

Bei dem aktuellen Beispiel in dem eine Fahrradfahrerin von einer sich öffnenden Autotür überrascht und erwischt worden war und ihre Klage auf alle aus dem Unfall entstehenden Schäden abgewiesen wurde, da sie eine Mitschuld trägt, stellt sich die Frage ob ein Helm da geholfen hätte. Betrunken war sie ja nicht. Zum anderen war es Zweifellos die Nachlässigkeit der Autofahrerin.
Warum ausgerechnet Fahrradfahrer auf jegliche Eventualitäten Rücksicht nehmen müssen, ist mir ein Rätsel. Als schwächere Gruppe im Straßenverkehr kann es doch nicht sein das man eine Teilschuld zugesprochen bekommt.
Im anderen Fall läuft es aber so, sollte ein Fußgänger von einem Berserker auf dem Fahrrad erwischt werden (so würde dieser dann wieder betitelt werden), liegt die Schuld erneut nur beim Fahrradfahrer. Hätte hier der Passant nicht mit sowas rechnen müssen? Ein anderes Beispiel: Einem Fußgänger der die Straße bei grün überquert, wird auch keine Mitschuld angehaftet wenn er von einem Auto erwischt wurde und nicht ausgewichen ist, obwohl es die eindeutige Schuld des Autofahrers ist.
Das Argument man muss im Straßenverkehr mit Risiken rechnen, ist also nicht ganz schlüssig, vor allem aber nicht Fair aufgeteilt.

Was ein weiteres großes Problem in Köln aber auch in anderen deutschen Großstädten darstellt, sind neben den Katastrophalen Radwegen, auch gerade morgens, unachtsame Verkehrsteilnehmer. Seien es andere Radfahrer, Fußgänger oder Autofahrer.
Man muss kein, wie in den Medien oft betitelt „Fahrradrambo“ sein, um mit den Parteien schnell in gefährliche Situationen zu geraten.
Selbst ein defensives, Vorausschauendes fahren, kann häufig nicht genügend gegen Verkehrsteilnehmer schützen die einfach auf den Radweg draufgehen, herauffahren oder einfach mit ihrem Fahrrad unmittelbar, ohne nach hinten zu schauen stehen bleiben.
Teilweise erlebt man sehr skurrile Momente in denen gerade Fußgänger, auf dem Fahrradstreifen flanieren und einen nicht nur böse angucken, sondern sogar Beleidigungen hinterherrufen, da man zu nah und zu schnell an ihnen vorbeigefahren sei.
Dabei wird allerdings vergessen, dass auch kein geistig normaler Mensch auf der Autobahn zu Fuß geht und es dort überhaupt nicht nachvollziehen kann, das da Autos mit einem Mordstempo an einem vorbeirauschen. Sollte es doch dazu kommen das Fußgänger sich auf die Autobahn verirren und dort lang gehen, kommt meist die Warnung im Radio: "Achtung! Fußgänger auf der A2, Hannover Richtung Braunschweig zwischen Kreuz Hannover-Buchholz und Kreuz Hannover-Ost." Kurz danach sind schon unsere Freunde und Helfer, mittlerweile im Blauen Kostüm unterwegs, herbeigeeilt und nehmen denjenigen in gewahrsam.

Kommen wir nun zu den eben erwähnten Straßenbedingungen. Es reicht nicht, dass die Radwege so dünn sind, dass man einen langsam fahrenden nur mit erheblichen Schwierigkeiten überholen kann und dabei noch beide in Gefahr bringt. Nein! Daneben muss man auf wie oben erwähnte unachtsame Verkehrsteilnehmer, Schlaglöchern und je nach Witterung, rutschigem Laub oder gar Schnee achten.

Die ansteigende Häufigkeit an Fahrradunfällen rührt aber nicht nur durch schlechte Infrastruktur und fehlender Aufmerksamkeit, es ist die schlichte Zunahme an Fahrradfahren im Generellen.
Das die wahrscheinlichkeit an Unfällen dadurch zunimmt, wird äußerst Selten als Grund benannt. Dazu kommt, das viele Autofahrer, diesen Umstand noch nicht Realisiert haben und somit recht unachtsam Fahrradwege kreuzen.

Das es anders und besser geht, zeigen Fahrradpionierstädte wie: Kopenhagen, Amsterdam und Los Angeles.
In Amsterdam wo nur ein Bruchteil der Radler einen Helm trägt, kommt es durch die verbesserte Infrastruktur zu weit weniger schweren Verkehrsunfällen. Ampelschaltungen wenn vorhanden werden auf die Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern zugeschnitten.
Die Radwege und Bürgersteige werden in Kopenhagen zuerst vom Schnee geräumt.
Bei uns werden diese falls es überhaupt dazu kommt, zuletzt geräumt.
Um die morgigen Pendler die im Schnitt aus 10 Km entfernung in die Stadt kommen, wurden in Kopenhagen sogar sogenannte "Fahrradhighways" gebaut. Diese sind wie Autobahnen nur halt für Fahrräder. Soll heißen weder Autos noch Fußgänger können diese Wege einfach betreten.


Dem gegenüber stellen sich Straßen auf denen jeder gleichberechtigt ist, wie es sie oft in den Niederlanden gibt, die führen dazu, dass alle aufeinander mehr Acht geben und es gar nicht erst zu Rüpelhaftem Verhalten kommen kann. Unfälle werden durch die ständige Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer ebenfalls drastisch gesenkt. Allerdings ist das den deutschen Städten und Kommunen zu Kostenintensiv. Lieber hätte man es wenn der Bürger sich selbst ein Stück weit Sicherheit kauft auch wenn diese in vielen Fällen nur unzureichenden Schutz bietet. Ein Helm schützt halt nicht vor Rumpfschäden, die ebenfalls Lebensgefährlich sein können. Darüber hinaus bietet ein guter Helm auch bis maximal Tempo 30 einen gewissen Schutz. Bei allem darüber zersplittert er wie Glas und bietet dementsprechend keine Sicherheit mehr. (Um Missverständnissen vorzubeugen, Tempo 30 muss nicht vom Radfahrer erreicht werden. Es genügt sollte er von einem Auto das mit 50 km/h unterwegs ist, touchiert werden.)



Die geforderte Herabsenkung der Alkoholpromillegrenze für Fahrräder, halte ich für ziemlich unsinnig. Wie es in letzter Zeit zu vermehrten Unfällen unter Alkoholeinfluss kommen kann ist schon merkwürdig. Es wird so getan als sei es eine total neue Idee sich betrunken aufs Rad zu schwingen und nach Hause zu fahren.
Nach einem Test bei Stern TV, der die Risiken des Radfahrens unter Alkoholeinfluss beweisen sollte, kam ein deutliches und für den Moderator Stefan Hallaschka, überraschendes Ergebnis heraus. Derjenige mit dem höchsten Alkoholgehalt, war auch der beste in dem im Studio aufgebauten Parkour. Der Zweitplatzierte hatte den zweithöchsten Alkoholwert. Schon seltsam also, das sie diese Leistung vollbracht haben obwohl sie ja eigentlich Verkehrsuntauglich waren. 1.65 Promille und 1.44 Promille. Zu Beginn der Sendung mussten alle den Parkour nüchtern absolvieren. Ich glaube man muss nicht erwähnen wer dort am besten abschnitt. Richtig, es waren auch die beiden die im alkoholisierten Zustand die Strecke mit Bravur meisterten.

Im Europäischen Vergleich mag Deutschland zwar eine hohe Promillegrenze haben. Jedoch wird in den Skandinavischen Ländern, sowie England und Irland von einer generellen Promillegrenze abgesehen. Dort gilt wer wirklich Verkehrsuntauglich ist und mit seinem Fahrstil auffällt, der muss auch eine Strafe bezahlen.

Die Quintessenz besteht also darin, nicht den Radfahrern jegliche Schuld zuzusprechen, sondern vernünftige Wege finden um Unfälle und vor allem verletzte oder gar tote zu vermeiden. Dies kann allerdings nicht dadurch geschehen das sich die schwächeren Verkehrsteilnehmer gegen die stärkeren schützen müssen und sollte das nicht geschehen ihnen auch noch eine Teilschuld zu lasten gelegt wird.