Donnerstag, 20. Juni 2013
Krieg auf Deutschlands Straßen
Aus gegebenem Anlass und weil es mir schon seit Jahren auf die Pulsadern drückt, folgt eine Meinung zur gegenwärtigen Verkehrspolitik.

Seit ein paar Wochen, grassieren in den Medien vornehmend Themen, die eine Herabsenkung der Alkoholpromillegrenze für Fahrradfahrer beinhaltet, sowie eine Forderung zur Fahrradhelmpflicht. Dem vorangesetzt werden die verstärkt zunehmenden Unfälle die für Radfahrer tödlich oder schwer verletzt verlaufen.

Auch mir ist ein Anstieg von Fahrradunfällen in Köln aufgefallen. Ich pendele nicht nur jeden Tag zur Arbeit und wieder zurück, sondern fahre auch gerne in meiner Freizeit durch Köln und Umgebung. Auf den zwei wichtigen Verkehrsadern für Fahrradfahrer auf der Linksrheinischen Seite von Köln, bin ich also täglich unterwegs, da sie meinen Arbeitsweg bilden.

Gerade an der Kreuzung von der Aachener Straße, Ecke Universitätsstraße, finden neben schweren Autounfällen auch schwere Verkehrsunfälle mit Radfahrern statt.

Doch mir stellt sich die große Frage ob ein Helm oder eine Alkoholpromillegrenze dem Einhalt gebieten kann.
Vielleicht denkt der ein oder andere Leser nun: „Was schreibt denn der da für einen „Stuss“?!“, aber wie viele Pendler haben bereits morgens früh auf dem Weg zur Arbeit 1,6 Promille und mehr Intus?!
Zum anderen sollte ich von einem Lastwagen oder einem Auto erwischt werden und durch die Luft gewirbelt werden, inwiefern schützt mich da noch ein Helm?!

Bei dem aktuellen Beispiel in dem eine Fahrradfahrerin von einer sich öffnenden Autotür überrascht und erwischt worden war und ihre Klage auf alle aus dem Unfall entstehenden Schäden abgewiesen wurde, da sie eine Mitschuld trägt, stellt sich die Frage ob ein Helm da geholfen hätte. Betrunken war sie ja nicht. Zum anderen war es Zweifellos die Nachlässigkeit der Autofahrerin.
Warum ausgerechnet Fahrradfahrer auf jegliche Eventualitäten Rücksicht nehmen müssen, ist mir ein Rätsel. Als schwächere Gruppe im Straßenverkehr kann es doch nicht sein das man eine Teilschuld zugesprochen bekommt.
Im anderen Fall läuft es aber so, sollte ein Fußgänger von einem Berserker auf dem Fahrrad erwischt werden (so würde dieser dann wieder betitelt werden), liegt die Schuld erneut nur beim Fahrradfahrer. Hätte hier der Passant nicht mit sowas rechnen müssen? Ein anderes Beispiel: Einem Fußgänger der die Straße bei grün überquert, wird auch keine Mitschuld angehaftet wenn er von einem Auto erwischt wurde und nicht ausgewichen ist, obwohl es die eindeutige Schuld des Autofahrers ist.
Das Argument man muss im Straßenverkehr mit Risiken rechnen, ist also nicht ganz schlüssig, vor allem aber nicht Fair aufgeteilt.

Was ein weiteres großes Problem in Köln aber auch in anderen deutschen Großstädten darstellt, sind neben den Katastrophalen Radwegen, auch gerade morgens, unachtsame Verkehrsteilnehmer. Seien es andere Radfahrer, Fußgänger oder Autofahrer.
Man muss kein, wie in den Medien oft betitelt „Fahrradrambo“ sein, um mit den Parteien schnell in gefährliche Situationen zu geraten.
Selbst ein defensives, Vorausschauendes fahren, kann häufig nicht genügend gegen Verkehrsteilnehmer schützen die einfach auf den Radweg draufgehen, herauffahren oder einfach mit ihrem Fahrrad unmittelbar, ohne nach hinten zu schauen stehen bleiben.
Teilweise erlebt man sehr skurrile Momente in denen gerade Fußgänger, auf dem Fahrradstreifen flanieren und einen nicht nur böse angucken, sondern sogar Beleidigungen hinterherrufen, da man zu nah und zu schnell an ihnen vorbeigefahren sei.
Dabei wird allerdings vergessen, dass auch kein geistig normaler Mensch auf der Autobahn zu Fuß geht und es dort überhaupt nicht nachvollziehen kann, das da Autos mit einem Mordstempo an einem vorbeirauschen. Sollte es doch dazu kommen das Fußgänger sich auf die Autobahn verirren und dort lang gehen, kommt meist die Warnung im Radio: "Achtung! Fußgänger auf der A2, Hannover Richtung Braunschweig zwischen Kreuz Hannover-Buchholz und Kreuz Hannover-Ost." Kurz danach sind schon unsere Freunde und Helfer, mittlerweile im Blauen Kostüm unterwegs, herbeigeeilt und nehmen denjenigen in gewahrsam.

Kommen wir nun zu den eben erwähnten Straßenbedingungen. Es reicht nicht, dass die Radwege so dünn sind, dass man einen langsam fahrenden nur mit erheblichen Schwierigkeiten überholen kann und dabei noch beide in Gefahr bringt. Nein! Daneben muss man auf wie oben erwähnte unachtsame Verkehrsteilnehmer, Schlaglöchern und je nach Witterung, rutschigem Laub oder gar Schnee achten.

Die ansteigende Häufigkeit an Fahrradunfällen rührt aber nicht nur durch schlechte Infrastruktur und fehlender Aufmerksamkeit, es ist die schlichte Zunahme an Fahrradfahren im Generellen.
Das die wahrscheinlichkeit an Unfällen dadurch zunimmt, wird äußerst Selten als Grund benannt. Dazu kommt, das viele Autofahrer, diesen Umstand noch nicht Realisiert haben und somit recht unachtsam Fahrradwege kreuzen.

Das es anders und besser geht, zeigen Fahrradpionierstädte wie: Kopenhagen, Amsterdam und Los Angeles.
In Amsterdam wo nur ein Bruchteil der Radler einen Helm trägt, kommt es durch die verbesserte Infrastruktur zu weit weniger schweren Verkehrsunfällen. Ampelschaltungen wenn vorhanden werden auf die Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern zugeschnitten.
Die Radwege und Bürgersteige werden in Kopenhagen zuerst vom Schnee geräumt.
Bei uns werden diese falls es überhaupt dazu kommt, zuletzt geräumt.
Um die morgigen Pendler die im Schnitt aus 10 Km entfernung in die Stadt kommen, wurden in Kopenhagen sogar sogenannte "Fahrradhighways" gebaut. Diese sind wie Autobahnen nur halt für Fahrräder. Soll heißen weder Autos noch Fußgänger können diese Wege einfach betreten.


Dem gegenüber stellen sich Straßen auf denen jeder gleichberechtigt ist, wie es sie oft in den Niederlanden gibt, die führen dazu, dass alle aufeinander mehr Acht geben und es gar nicht erst zu Rüpelhaftem Verhalten kommen kann. Unfälle werden durch die ständige Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer ebenfalls drastisch gesenkt. Allerdings ist das den deutschen Städten und Kommunen zu Kostenintensiv. Lieber hätte man es wenn der Bürger sich selbst ein Stück weit Sicherheit kauft auch wenn diese in vielen Fällen nur unzureichenden Schutz bietet. Ein Helm schützt halt nicht vor Rumpfschäden, die ebenfalls Lebensgefährlich sein können. Darüber hinaus bietet ein guter Helm auch bis maximal Tempo 30 einen gewissen Schutz. Bei allem darüber zersplittert er wie Glas und bietet dementsprechend keine Sicherheit mehr. (Um Missverständnissen vorzubeugen, Tempo 30 muss nicht vom Radfahrer erreicht werden. Es genügt sollte er von einem Auto das mit 50 km/h unterwegs ist, touchiert werden.)



Die geforderte Herabsenkung der Alkoholpromillegrenze für Fahrräder, halte ich für ziemlich unsinnig. Wie es in letzter Zeit zu vermehrten Unfällen unter Alkoholeinfluss kommen kann ist schon merkwürdig. Es wird so getan als sei es eine total neue Idee sich betrunken aufs Rad zu schwingen und nach Hause zu fahren.
Nach einem Test bei Stern TV, der die Risiken des Radfahrens unter Alkoholeinfluss beweisen sollte, kam ein deutliches und für den Moderator Stefan Hallaschka, überraschendes Ergebnis heraus. Derjenige mit dem höchsten Alkoholgehalt, war auch der beste in dem im Studio aufgebauten Parkour. Der Zweitplatzierte hatte den zweithöchsten Alkoholwert. Schon seltsam also, das sie diese Leistung vollbracht haben obwohl sie ja eigentlich Verkehrsuntauglich waren. 1.65 Promille und 1.44 Promille. Zu Beginn der Sendung mussten alle den Parkour nüchtern absolvieren. Ich glaube man muss nicht erwähnen wer dort am besten abschnitt. Richtig, es waren auch die beiden die im alkoholisierten Zustand die Strecke mit Bravur meisterten.

Im Europäischen Vergleich mag Deutschland zwar eine hohe Promillegrenze haben. Jedoch wird in den Skandinavischen Ländern, sowie England und Irland von einer generellen Promillegrenze abgesehen. Dort gilt wer wirklich Verkehrsuntauglich ist und mit seinem Fahrstil auffällt, der muss auch eine Strafe bezahlen.

Die Quintessenz besteht also darin, nicht den Radfahrern jegliche Schuld zuzusprechen, sondern vernünftige Wege finden um Unfälle und vor allem verletzte oder gar tote zu vermeiden. Dies kann allerdings nicht dadurch geschehen das sich die schwächeren Verkehrsteilnehmer gegen die stärkeren schützen müssen und sollte das nicht geschehen ihnen auch noch eine Teilschuld zu lasten gelegt wird.